Montag, 18. Februar 2013

10 Fragen an... Heike Eva Schmidt


 Die in Bamberg geborene Autorin fand schnell,
 nach ihrem Studienabschluß in Schulpsychologie,
 ihre wahre Berufung im Journalismus.
Neben ihrer Arbeit als Drehbuchautorin hat sie seit 2010 mehrer erfolgreiche Romane geschrieben:

 Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur hat  
"Schlehenherz" zum "Buch des Monats" gewählt! 

"Amerika liegt im Osten" ist Gewinner des 
"Bad Harzburger Eselohrs" 2012!

 "Purpurmond" ist nach der Veröffentlichung im 
März 2012 nun bereits in der dritte Auflage!
Ihr neuester Roman "Moorseelen" erscheint diesen März.
Eine Buchvorstellung dazu findet ihr vorab hier!
Viele weiter Infos gibt es auf:





Und nun auch an Dich ein großes Dankeschön dafür das Du Dir die Zeit zum Beantworten genommen hast!

1. Wann hast Du Deine Liebe zu Büchern entdeckt? Als Kind, Jugendliche, Erwachsene? Und gibt es ein Buch aus dieser Zeit das Dir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich habe mir mit 5 Jahren das Lesen anhand eines Kinderquiz’ namens „Leselotto“ selbst beigebracht - und seitdem alles „verschlungen“, was ich in die Hände bekommen habe. Mein Lieblings-Kinderbuch war „Lupinchen“, später folgte (fast) alles von Astrid Lindgren, dann Michael Endes“ Momo“ und die „unendliche Geschichte“ - neben Kinderkrimis und vielen Pferdebüchern, denn ich hatte damals gerade mit dem Reiten begonnen. Mit knapp 14 Jahren folgte - durch eine „verbotene Leihgabe“ einer älteren Freundin - „Carrie“, „Christine“ und „Shining“ von Steven King - was mir Nächte voller Alpträume beschert hat, aber auch eine Begeisterung für gruselige und psychologisch raffinierte Geschichten. Als Erwachsene las ich dann Krimis und Thriller von Autoren wie Elisabeth George, Patricia Cornwell und später diversen skandinavischen Schriftstellern. Inzwischen sind mir Thriller oft zu hart und zu brutal und ich greife lieber zu Belletristik. Ein Buch, das sich mir tief eingeprägt hat, ist „Rot“ von Uwe Timm. Ein großartiges Werk über das Leben - aber auch das Sterben in einer außergewöhnlichen und ganz wundervollen Sprache abgefasst. Es gehört immer noch zu meinen Lieblingsbüchern.



2. Was hast Du getan, nachdem Du Deine Zusage für Deine 1.Veröffentlichung bekommen hast? Wie verlief der restliche Tag? Hast Du Dein Telefonbuch rauf und runter abtelefoniert? Gefeiert?

Das war sehr lustig, weil ich gerade mitten in einem Drehbuch-Meeting saß, als meine Agentin anrief und total laut schrie: „Wir haben verkauft!“ Ich lief knallrot an, weil ich natürlich am liebsten genauso laut „Hurra“ gebrüllt hätte, aber ich wollte nicht mitten im Meeting loskreischen. Also habe ich  mich kurz entschuldigt, aber vor der Tür dann natürlich einen Jubelschrei losgelassen, dass am Filmset (zum Glück waren keine Dreharbeiten) die Spatzen von den Dächern stoben! Nachdem meine Kollegen natürlich schon Lunte gerochen hatten und mir gratulierten, habe ich natürlich zu Hause sofort alle meine Lieben angerufen, Familie, Freunde... und mit meinem Liebsten wurde ein Cremant geköpft! So richtig zu mir durchgedrungen ist das Ganze aber erst am nächsten Tag. Und richtig „fassen“, dass nun wirklich Bücher von mir erscheinen werden, so richtig „echt“ im Buchladen, konnte ich es erst, als ich tatsächlich das erste fertige Buch in der Hand hielt. Aber das war ein Gefühl, das ganz schwer zu beschreiben ist, obwohl ich Autorin bin: Weiche Knie, Seifenblasen im Kopf und ein großes Lächeln im Gesicht.



3. Wenn Du eine neue Geschichte beginnst zu schreiben, hast Du Sie dann schon von Anfang bis Ende im Kopf? Oder entwickelt es sich erst beim Schreiben und Du kennst das Ende selbst noch nicht?

Wenn ich mich an den Computer und damit an das Roman-Manuskript setze, habe ich die Geschichte schon im Kopf, bzw. auf Papier, denn ich verfasse immer zuerst ein Exposé, in dem die Story auf 7-10 Seiten in Kurzfassung steht. Es beinhaltet Anfang, Ende und die wichtigen „Wendepunkte“ der Geschichte. Das Exposé ist der erste Schritt, es geht an den Verlag und die entscheiden anhand dessen, ob sie das Buch kaufen. Damit habe ich mein „Gerüst“. Aber natürlich fließen noch ganz viele Ideen während des Schreibens ein. Allerdings ist es mir bei meinem neuen Thriller „Moorseelen“, der am 7. März erscheint, passiert, dass  sich etwas Gravierendes am Schluss verändert hat - was, das darf ich natürlich nicht verraten... J



4. Zu Zeiten von Ebook-Readern und dem digitalen Lesen, an welchem Buch hängt Dein Herz (weshalb es wohl für immer in gedruckter Ausgabe in Deinem Bücherregal stehen wird)?

Ich lese immer noch nicht digital. Ich liebe einfach das Gefühl, ein Buch anzufassen und umzublättern. Kommt vielleicht daher, dass ich sowieso beim Drehbuchschreiben und auch beim Verfassen der Romane einen Bildschirm mit elektronischen Buchstaben vor der Nase habe, sodass die Abwechslung, in einem „richtigen“ Buch zu lesen, für mich und mein Hirn auch „Feierabend“ bzw. „Freizeit-Vergnügen“ signalisiert. Der Nachteil: Bücherregale und Keller platzen aus allen Nähten...!



5. Dein Lesehighlight 2012?

Ganz ehrlich? Ich habe 2012 kaum neue Bücher gelesen - aus Zeitmangel. Ich habe selbst an zwei Romanen (dem Thriller und meinem neuen Fantasybuch) geschrieben, dazwischen war ich mit meiner TV-Serie beschäftigt ... Da bin ich zum „Zeitschriften-Fan“ mutiert, weil ich zu k.o. war, um eine ganze Romanhandlung aufzunehmen. Da kamen mir diverse Frauenzeitschriften mit interessanten Reportagen oder etwas wie „Living at Home“ oder diese schönen Land-Zeitschriften gerade recht! Das soll sich aber 2013 ändern!



6. Wo schreibst Du am Liebsten? Im Arbeitszimmer, Garten,…

Ich hatte bis zum vergangenen Jahr ein Schreibzimmerchen in Oberbayern, das war herrlich! Mit Blick aufs Karwendelgebirge, ruhig und in direkter Nähe zu einem See. Trotzdem konnte ich mich dort super konzentrieren, weil es ein kleines Dachstübchen ohne Internetanschluss war, wo mich nichts abgelenkt hat. Ich neige nämlich zu Putz-Anfällen oder wildem Surfen im Internet, wenn ich mal festhänge und mich dann vorm Weiterschreiben zu drücken versuche. Leider musste ich das Zimmer wegen Eigenbedarfs der Vermieter aufgeben, sodass ich jetzt zuhause arbeite, was auch prima funktioniert, ich muss mich nur zusammenreißen und den Putzschrank absperren, sowie das W-Lan abschalten. Draußen auf dem Balkon oder im Garten schreibe ich nicht gerne, weil da der Bildschirm zu sehr spiegelt.



7. Wie stehst Du zu Buchverfilmungen? Erst Buch oder erst Film? Und wenn Du zuerst den Film gesehen hast, liest Du danach trotzdem noch das Buch?

Das kommt darauf an. Manchmal kenne ich das Buch gar nicht, lande aber zufällig im Film und möchte dann das Buch auch lesen. Umgekehrt finde ich es schwer, denn meistens hat man ja mit dem Lesen eines Romans schon Figuren im Kopf, stellt sich ihr Aussehen vor, ihre Sprache ... Ein Film kann da manchmal ganz schön ernüchternd sein, weil die Darsteller so ganz anders sind, als die Figuren, die man sich vorgestellt hat. Mir ging das z.B. bei „Eat, Pray, Love“ so: Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und fand darin viele kluge, bemerkenswerte Sätze. Der Film war - fand ich - heruntergebrochen auf eine Hollywood-Selbstfindungsromanze von „Pretty Woman“ Julia Roberts. Mir hat nach der Romanlektüre einfach die „Weisheit“ des Buches gefehlt, die ganze Entwicklung der Figur. Einzige Entschädigung war Javier Bardem, denn ich vergöttere diesen Schauspieler (auch wenn er in seinen Filmen oft echt abartige Frisuren trägt!!)



8. Auf welche Buchveröffentlichung freust Du Dich 2013?

Auch auf die Gefahr hin, dass es eitel klingt: Auf meine beiden Bücher! Aber da auch zwei sehr liebe Freundinnen von mir Schriftstellerinnen sind, deren Bücher auch im Frühjahr erscheinen, habe ich da noch etwas, auf das ich gespannt warte.



9. Schreibst Du gezielt zu festen Zeiten oder einfach nur spontan wenn Dir danach ist?

Ich würde mich als sehr disziplinierte Schreiberin bezeichnen. Ich setzte mir das Ziel, jeden Tag eine bestimmte Seitenanzahl zu schaffen. Manchmal schaffe ich mehr, weil ich in einem richtigen „Schreibrausch“ bin, manchmal geht es aber auch nicht so gut, dann lenke ich mich mit Sport oder einem Café-Besuch ab. Sich zu zwingen, macht keinen Sinn, das verkrampft nur und es kommt meist nix dabei raus. Außerdem habe ich inzwischen die Erfahrung, dass ich am besten zwischen 15h und 22h kreativ werde, also stresse ich mich früh gar nicht erst  rein, sondern mache erstmal alles, was anfällt (Einkaufen, Post...), aber gucke auch, dass ich schöne Dinge tue wie mit einer Freundin zu telefonieren oder in Yoga zu gehen. Dann habe ich nachmittags das gute Gefühl, alles erledigt zu haben und kann mich ganz dem Schreiben widmen.
 
10. Welches Buch liest Du aktuell?

Vor dem Einschlafen „Die hellen Tage“ von Z. Bank (ich bin auf Seite 45) und morgens während der 50-Minütigen Fahrt zum Filmset, wo auch die Autorenbüros liegen das Buch von L. Shriver „Liebespaarungen“.


Danke für die so ausführlichen Antworten, hat mich riesig gefreut es zu lesen :-)



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