Montag, 16. Juni 2014

Rezension - Dünn


Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Carlsen 
Erscheinungstermin: 22. Mai 2014
ISBN-13: 978-3551582959

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"In der Zeitung von gestern war ein Foto von meinem Vater, der sich etwas zu Essen in den Mund stopfte. Das Bild war unscharf, aufgenommen mit einer schlechten Handykamera, von jemandem, der es witzig fand, meinen hypergesundheitsbewussten Vater bei so etwas zu erwischen. Die Redaktion machte ein Preisausschreiben daraus. Wer herausfinden konnte, was mein Vater auf dem Foto aß, gewann ein Jahresabo der Zeitung und einen Gutschein von Billyburger, das Fastfood-Restaurant, in dem das Foto gemacht worden war. Mein Vater hasste solche Sachen. Ich fand, er verdiente sie."

Fee ist abgehauen und irrt durch die Stadt. Sie will ihrem Vater eins auswischen, weil der sich nur noch um seine neue Freundin und seinen Job kümmert, und weil er ihre Mutter mit seinem Schlankheitswahn in den Tod getrieben hat. Davon jedenfalls ist Fee überzeugt und auch der Leser übernimmt sofort ihre Sicht der Dinge. Aber stimmt die überhaupt, oder ist Fees Geschichte am Ende eine ganz andere? Das neue Buch von Do van Ranst ist ein Spiel mit Perspektiven und Wahrheiten, das den Leser manches Mal in die Irre führt.

Fee hat sich einfach in den Zug gesetzt und ist verschwunden. Wird man sie überhaupt vermissen? Sie fühlt sich von jedem im Sticht gelassen, von ihrem Freund, ihrer besten Freundin, und auch von ihrem Vater. Aber der interessiert sich sowieso nicht für sie.
Schließlich ist er jetzt mit einer superschlanken Tussi zusammen, und hat ganz vergessen das er am Tod ihrer Mutter schuld ist. Zu Lebzeiten hat diese es nicht geschafft seinem Ideal von Schönheit zu entsprechen. Soll sie vielleicht doch an den Bahnhof, und zurück fahren? Oder hier bleiben?


Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch auf Grund des ungewöhnlichen Covers. Man spürt einfach das sich dahinter keine alltägliche Geschichte verbringt.

Kaum hatte ich angefangen zu lesen, litt ich mit Fee mit. Ein junges Mädchen das sich von allen im Stich gelassen fühlt. Sie beschäftigt sich dauernd mit Essen, kein Wunder wenn man bedenkt das ihre Mutter wegen ihres Schlankheitswahn gestorben ist. Ab und zu fand ich den Schreibstil merkwürdig, wußte aber nicht ob es am Schreibstil des Autors, oder an der Geschichte an sich liegt.
ABER nicht vorzustellen, wenn ich vielleicht vorzeitig abgebrochen hätte!
Denn was zum Ende hin alles aufgedeckt wird, ist so unglaublich, daßman damit unmöglich hätte rechnen können! Natürlich verrate ich Euch heute nichts näheres, kann aber "Dünn" wirklich jedem ans Herz legen, der auch hinter das Offensichtliche schauen mag. 
Es ist eine dramatische Geschichte, mit ernsten Themen, die einen noch lange nachdenken lässt.


Do van Ranst, geboren 1974 im belgischen Dendermonde, schreibt Kinder- und Jugendbücher und arbeitet als Visual Merchandiser bei einem bekannten Modelabel. Für seine Bücher hat er schon viele Preise bekommen, unter anderem den Deutschen Jugendliteraturpreis für "Wir retten Leben, sagt mein Vater". Van Ranst macht außerdem Musik und ist aktiv beteiligt an einer Kindertheatergruppe in seinem Wohnort Hamme, für die er mehrere Stücke schrieb. Er hat zwei Söhne, einen Hund und eine Katze.


Eine unglaublich gute Geschichte, mit ernstem Hintergrund.
Meine Bewertung: 4 von 5 Sterne!!!

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