Mittwoch, 7. Oktober 2015

Rezension - Suche Heimat, biete Verwirrung


 Geschrieben von Proschat Madani
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Südwest Verlag 
ET: 22. April 2013
ISBN-13: 978-3517087955
   
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Proschat Madani ist im Iran geboren, in Österreich aufgewachsen und als Schauspielerin in Deutschland erfolgreich. Von außen betrachtet ist sie ein Musterbeispiel für gelungene Integration. Doch innerlich fühlt sie sich heimatlos. Aufgrund ihres Aussehens gilt sie in Österreich als Ausländerin, Iraner irritiert ihr deutscher Akzent und in Deutschland macht ihr Wiener Dialekt sie zur Österreicherin. Um dazuzugehören, hat sich Proschat Madani ihr Leben lang erfolgreich angepasst. Zumindest scheinbar, denn immer wieder ist da das Gefühl: So, wie du bist, bist du nicht richtig! 
Bis sie eines Tages erkennt, dass sie ihr Zuhause nicht im Äußeren finden kann ...


Das die Schauspielerin Proschat Madani ein Buch geschrieben hat, habe ich nur ddurch Zufall entdeckt, da sie diesen Monat hier in meiner Stadt eine Lesung abhält.
Da ich gerne Biografien lese, war ich gespannt auf ihre Geschichte.
Lustigerweise erzählt sie direkt zu Beginn, daß sich ihr Buch in kein bestimmtes Genre packen lässt. Es ist keine wirkliche Biografie, kein Tatsachenbericht, kein Roman, und kein Sachbuch.
Und doch ist es von allem ein bisschen.

Jeder kennt das Problem sich fremd zu fühlen, und (nach aussen hin) Menschen wie Proschat Madani müssen sich ihr Leben lang damit auseinandersetzen. Auch ich kenne einige die im Ausland geboren, aber in Deutschland aufgewachsen sind. Im Heimaturlaub heißt es "du gehörst nicht zu uns" und in Deutschland wird man als Ausländer bezeichnet.

Proschat Madani erzählt hier ihre Geschichte, berichtet von Treffen und Situationen, die sie erlebt hat. Sie lässt andere zu Wort kommen, und hat auf diese Weise ein Buch voller Farbe und Leben geschrieben.

Da es kein Roman ist, und die hauptberuflich ja auch keine Autorin, merkt man, daß einfach jemand seine eigenen Erfahrungen zu Papier gebracht hat. Dies macht das ganz perönlicher, und man kann vieles gut nachvollziehen.
Einige Stellen brachten mich zum Lachen und zum Schmunzeln, und dann wieder sieht man sich ernsten Themen gegenüber stehen.
Es regt zum Nachdenken an, auch wenn ich vermute das eben die Menschen mit Vorurteilen (egal aus welchem Land) dieses Buch wohl nicht lesen werden. Schade eigentlich.


Proschat Madani, die im Iran geborene und in Österreich aufgewachsene Schauspielerin, war an österreichischen Theatern engagiert, bevor sie Ende der Neunzigerjahre ihre Arbeit vor der Kamera begann. Aktuell ist sie aus der beliebten TV-Serie „Der letzte Bulle“ bekannt. Außerdem ist sie immer wieder in Fernsehfilmen zu sehen wie „Der Stinkstiefel“ (2009) und „Tatort Familienaufstellung“ (2009) oder auf der Kinoleinwand in „Im Winter ein Jahr“ (2008), „Salami Aleikum“ (2009) oder „Esperanza“ (2006). Proschat Madani hat eine Tochter und lebt in Berlin.


Ein interessantes Buch, welches sich nicht in eine Schublade stecken lässt.
Meine Bewertung: 4 von 5 Sterne

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