Mittwoch, 27. September 2017

Rezension - Über alle Grenzen


 
Geschrieben von Maya Shepherd
Taschenbuch: 544 Seiten
Verlag: Sternensand Verlag (25. August 2017)
ISBN-13: 978-3906829470
   

Eine Liebe, die sich über jedes Hindernis hinwegsetzt. Eine Liebe, die unter die Haut geht. Eine Liebe, die keine Grenzen kennt. Wörter, Zahlen und Sätze zieren Annas Körper. Dort, wo niemand sie sieht. Unauslöschbar sind sie in ihre Haut geritzt. Sie bleiben für immer und verschwinden nicht einfach wie ihr Vater, der ihre Mutter für eine Jüngere verlassen hat. Yasin kommt aus dem Kosovo. Wie viele Flüchtlinge sucht er in Deutschland Schutz, in der Hoffnung auf ein neues, sicheres Leben. Er spricht fließend Deutsch und trotzdem hört ihm niemand zu. Niemand sieht ihn. Bis er Anna begegnet. Das traurige und verschlossene Mädchen ist der erste Mensch, der ihn als Person und nicht nur als Flüchtling sieht.
(Quelle: Verlag)


Anna muss sich nicht nur mit der Trennung ihrer Eltern abfinden, sondern auch noch mit dem Umzug von Berlin nach Köln.
Nachdem ihr Vater sie und ihre Mutter vor die Tür gesetzt hat, steht ein Neuanfang an, in einer fremden Stadt und fast pleite.
Anna hat es schwer: Ihre Mutter arbeitet fast durchgehend, ihr Bruder ist nicht mit nach Köln gekommen, und sie ist die Neue in der Schule.
Auch wenn sie direkt drei neue Freundinnen findet, so schmerzt der Verlust über das Verlorene.
Ihr Sitznachbar, Yasin, scheint ebenfalls nett zu sein.
Doch Anna hätte nicht damit gerechnet, daß er ein Flüchtling ist....

Kann man mit jemandem befreundet sein, der zwar perfekt deutsch spricht, aber aus einem anderen Land kommt und in einer Flüchtlingsunterkunft wohnt?
Wenn es nach Annas Mitschülern geht, ist Yasin sicher kriminell, klaut, und möchte sich auf Staatskosten ein schönes Leben machen.
Niemand hinterfragt seine Geschichte, niemand möchte sie hören, niemand möchte mit ihm befreundet sein. Doch Anna kennt das Gefühl der Einsamkeit....

Ich habe schon einiges von Maya Shepherd gelesen, allerdings aus dem Fantasy-Bereich.
Nun hat sie eine Geschichte geschrieben, aus dem wahren Leben.
Denn was Anna und Yasin erleben, passiert hier in Deutschland tagtäglich.

Anna hat schwer zu kämpfen mit der Trennung ihrer Eltern, und verletzt sich deshalb selbst.
All die negativen Gefühle, den Schmerz,... ich konnte mich so gut in sie hineinversetzen, spürte ihre Verzweiflung, und hatte Tränen in den Augen.
Auch Yasin trägt Narben an seinem Körper, verdeckt auf Anraten des Schuldirektors (man möchte den Mitschülern ja solch einen Anblick ersparen). Doch seine stammen von seiner Flucht, bei der er seine Familie und fast auch sein eigenes Leben verloren hat.

Die Geschichte wird abwechselnd erzählt. Zum einen Annas Gegenwart, und zum anderen Yasins Vergangenheit. Wer das was ihm passiert ist, nicht selbst erlebt hat, kann es natürlich nicht wirklich nachvollziehen, aber die Autorin hat seine Flucht sehr authentisch geschildert.

Anna und Yasin werden Freunde und müssen gegen Vorurteile kämpfen.
Doch gerade diese bringen die beiden näher.
Bis die schrecklichen Ereignisse in der Silversternacht in Köln alles verändern.
Hier hat Maya Shepherd die Übergriffe von 2015/2016 mit in ihre Geschichte eingebaut, was dem Leser die "echte" Realität erst recht vor Augen führt.
Genau dieses Leben, welches Anna und Yasin führen, leben viele Menschen in der heutigen Zeit.

Ich weiß nicht was mich mehr mitgenommen hat... Annas Verzweiflung, Yasins Vergangenheit, die Vorurteile der Mitbürger.... auf jedem Fall, hat Maya Shepherd einen Roman geschrieben, der tief bewegt und zeigt, daß Liebe keine Grenzen kennt.

Ich bewundere den Stolz der Autorin, einen Roman zu schreiben, in dem ein Flüchtling die Hauptrolle spielt. Natürlich kann jeder seine eigene Meinung vertreten, und vielleicht werden einige ansonsten netten Menschen, dieses Buch nicht lesen. Einfach, weil sie auch gegen Flüchtlinge sind, und Ängste und Vorurteile haben.
Maya Shepherd scheint der finanzielle Erfolg hier egal zu sein.
Sie möchte Menschen zum Nachdenken bewegen, und mit "Über alle Grenzen" schafft sie es auf sehr bedeutungsvolle Art und Weise.

Ich würde mir wünschen, daß die Menschen über ihren Tellerrand hinaus schauen und Menschen, die alles verloren haben, eine Chance geben und zuhören. Es sind nicht alles Kriminelle, die in Deutschland klauen und Frauen missbrauchen.
Böse Menschen gibt es, egal welcher Nationalität sie angehören, überall.
Und nette und ehrliche Menschen gibt es ebenso überall, in kleinen Dörfern, Großstädten, und Flüchtlingsunterkünften.

Neben den tragischen Familiengeschichten, hat die Autorin hier gleichzeitig eineGeschichte geschrieben, die romantisch, spannend und überraschend ist.
Meine Gefühlen sind, genau wie Annas, Achterbahn gefahren, und selten habe ich über 500Seiten in so kurzer Zeit gelesen.


"Über alle Grenzen" ist ein Roman, der, wie die Autorin geschrieben hat, zeigt, daß Liebe keine Grenzen kennt. Es war so schön Annas und Yasins Geschichte zu lesen, und für mich ein echtes Highlight! Meine Bewertung: 5 von 5 Sterne!!!
 

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