Donnerstag, 19. Oktober 2017

Rezension - Ich habe einen Traum - Als Flüchtlingskind in Deutschland

Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (14. August 2017)
ISBN-13: 978-3453603929
  

Reem Sahwils Leben beginnt in einem libanesischen Flüchtlingslager.
Als Frühgeburt und ohne die notwendige medizinische Betreuung wuchs sie als Kind auf, welches nicht laufen konnte und sich immer wieder Operationen unterziehen lassen musste.
Um ihr ein besseres Leben zu ermöglichen haben sich ihre Eltern für die Flucht nach Deutschland entschieden. Nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel wird die Presse auf Reem aufmerksam. Hier erzählt nun Reem selbst ihre eigene Geschichte.


Auch ich habe vor zwei Jahren das Flüchtlingsmädchen im Fernsehen erlebt, welches in einem Gespräch mit Angela Merkel in Tränen ausbrach. Den Trubel um sie habe ich danach nicht mitbekommen, und erst durch dieses Buch habe ich die Hintergründe erfahren.

Schon der Beginn ihres Lebens ist mehr als tragisch... ihr Vater muss seine Tochter zu Fuss ins Krankenhaus bringen, und erst als die Bezahlung erledigt wurde, nahm man sich dem kleinen Säugling an. Die Überlebenschancen standen schlecht, doch ihre Eltern gaben niemals auf.
Durch Spenden und Schulden finanzierten sie im Laufe der Jahre die erforderlichen OPs, denn Reem ist gelähmt.
Und auch hier liest man von erschreckenden Zswischenfällen, wie zum Beispiel als Reem, dort ohne Rollstuhl selbst im Winter auf dem kalten Boden im Schulhof sitzen muss, darauf angewiesen, daß ihre Freunde ihr helfen. Sie wird bestraft, nachdem sie sich ins Schulgebäude "rettet", denn es gibt keine Ausnahmen, auch nicht für ein frierendes Mädchen.
Schon diese Situationen schockieren mich, und ich kann den Wunsch nach der Flucht in ein besseres Leben mehr als gut nachvollziehen.
Wer wünscht sich schon so zu leben?

In Deutschland konnte Reema gesundheitlich geholfen werden, und ihre Familie, nach der Flucht endlich wieder vereint, kann für den Moment aufatmen. 
Doch auch hier ist nicht alles einfach, denn Flüchtlinge bekommen nicht, wie oftmals von Kritikern geäußert, alles was sie wollen. Und schon garkeine Aufenthaltsgenehmigung.
Reem muss also weiter Angst haben, nämlich davor, in ihre Heimat zurück geschickt zu werden.
Und das, obwohl sie mittlerweile völlig integriert ist, zur Schule geht und Freunde gefunden hat.

Ich wäre ja dafür, daß solche Bücher in Schulen gelesen werden, denn immer noch gibt es zu viele Vorurteile gegen Flüchtlinge. Einigen Menschen ist es nicht bewusst, daß niemand seine Heimat verlässt, weil es in Deutschland ja Wohnungen, Geld, und Iphones umsonst gibt. 
Flüchtlinge haben Angst, und sie müssen alles hinter sich lassen um in einem fremden Land neu anfangen. Und auch dort werden sie nicht immer freundlich empfangen.

Ich freue mich, daß Reem mittlerweile ihre Aufenthaltsgenehmigung bekommen hat und wünsche ihr alles Gute für ihre Zukunft.

Eine normale Sternen-Bewertung lasse ich hier weg, denn ein Tatsachenbericht sollte nicht bewertet werden. Reems Geschichte hat mich sehr bewegt und ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben.

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